Warum ich dieser Dame kein Angebot mache

Erstellt am 28. Februar 2011 von

Vorhin Anruf einer älteren Dame. Sie hat sich eine Wohnung gekauft und will beim Bauträger die Malerarbeiten aus ihrem Kaufpreis heraus nehmen. Fertigstellung der Wohnung ca. Oktober 2011.

Bitte kostenlos und unverbindlich

 Der Wunsch der Dame an mich war:” Ich hätte gerne ein unverbindliches Angebot für die Neuausstattung meiner Wohnung. Raufasertapete, wie vom Bauträger vorgesehen, möchte ich nicht haben. Was gibt es denn so alles? Können Sie mich da bitte beraten und mir etwas zeigen?”

Meine freundliche Antwort war, dass wir uns auf Innenrenovierungen spezialisiert haben und keine Neubauten machen. Enttäuscht frage mich die Dame, ob ich ihr einen Malerbetrieb empfehlen könne. Klar, habe ich ihr einen Kollegen empfohlen. Ob der sich die Arbeit macht?

Warum ich hierfür kein Angebot mache? Die Dame möchte etwas besonderes und etwas besonderes kostet auch (besonders) mehr Geld. Der Bauträger wird ihr für die Malerarbeiten nur einen geringen Preis aus ihrem Kaufpreis herausrechnen. Die besondere Wohnungsgestaltung kostet sicherlich ein Mehrfaches dieses Preises.

Der Wunsch nach einem “unverbindlichen Angebot” dokumentiert die Absicht, nicht so viel Geld ausgeben zu wollen. Zusätzlich möchte die Dame aber umfangreich beraten werden. Aus meiner Erfahrung geschätzter Zeitaufwand, insgesamt mindestens ca. 4-5 Stunden. Kostenlos und unverbindlich, natürlich.

 Da kümmere ich mich lieber um “verbindliche” Kunden.

 Natürlich ist es immer ein Risiko, ein Angebot zu machen oder kein Angebot zu machen. Meine Philosphie, gepaart mit meiner Erfahrung: Von 100 ähnlichen Fällen, wäre es vielleicht 10 Mal zu einem Auftrag gekommen. Aber 90 Mal hätte ich umsonst Zeit und Aufwand investiert. Ich nehme die 10% einfach in Kauf. Denn zu 90% war meine Entscheidung richtig.


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Kommentare

  1. Das ist völlig in Ordnung und kaufmännisch richtig gedacht. Es gibt viele Kunden, die einen eigentlich nur aussaugen wollen. Viele Handwerksbetriebe machen deswegen nur noch kostenpflichtige Voranschläge. Man kann dem Kunden ja dann anbieten, dass man im Auftragsfalle die Kosten für das Angebot wieder gegenrechnet!
    Weiterhin viel Erfolg!

    Ihr Rainer Seemann

  2. Sehr geehrter Herr Deck,
    auch ich kenne diese Anfragen aus meiner Branche nur zu gut.

    „Kommen Sie doch mal kurz vorbei und sagen mir, was meine Immobilie wert ist…“

    Ich habe mittlererweile zwar ein Gefühl für Verkaufspreise bzw. Angebotspreise von Immobilien entwickelt, dennoch lasse ich mich zu keiner Aussage hinreissen.

    Ein Gutachten ist aufwendig und kostet Geld, welches allerdings bei Auftragserteilung gutgeschrieben wird.

    Ich musste mir letzte Woche wieder einmal den Spruch „Der Kunde ist König“ anhören, entgegnete aber „… deshalb muss ich mir vom Kunden auch nicht auf der Nase rumtanzen lassen…“.

    Dieses Geiz-ist-geil-Syndrom wird immer schlimmer…