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Stressmanagement. Aufschieberitis verstehen und besiegen: Immer auf den letzten Drücker

Autor: malerdeck am 5. Februar 2014

Ein Dialog über chronische Aufschieberitis – so kriegen Sie Ihren Zeitplan wieder in den Griff

Aufschieberitis

Alles heute noch?

Eine von vielen Anfragen, die uns täglich erreichen: „Ich bin Deutschlehrerin und habe oft Berge von Aufsätzen zu korrigieren. Obwohl ich das Korrigieren nicht richtig hasse und manchmal sogar amüsant finde, schiebe ich es stets solange auf, bis ich wahnsinnig unter Druck stehe.

1.000 Einwände finde ich, um die Aufschieberei zu entschuldigen: Meist fühle ich mich zu müde und will das Korrigieren in einem erholten Zustand erledigen. Oder es gibt andere Dinge, die erst einmal Vorrang haben. Oder mir graust es einfach, weil ich nicht weiß, wie ich effektiv, gerecht und fehlerfrei korrigieren kann. Irgendwann wird es soweit kommen, dass ich mich überhaupt nicht mehr zum Korrigieren aufraffen kann und meinen Dienst quittieren muss.“

Aufschieberitis ist keine Katastrophe

Werner Küstenmachers Antwort: „Liebe Frau Stapler (der Name ist natürlich geändert), bitte beenden Sie als erstes Ihre negativen Prophezeiungen („… dass ich meinen Dienst quittieren muss“). Sie schieben die Dinge vor sich her, weil das gut für Sie ist. Und weil Sie gut sind. Sie sind gut unter Druck. Sie brauchen diesen Kick. Aufschieberitis ist ein Mittel, um Aufgaben prickelnd zu machen.

Aufschieberitis ist ein Hilferuf

Aufgaben aufzuschieben ist ein Zeichen für Überlastung. In allen Berufen ist die Belastung in den letzten Jahren im Schnitt um 30 % gestiegen. Das Ich-kann-nicht-mehr-Syndrom wird in unserem Land zunehmend zum Lebensfeind Nummer 1. Sie sind gut in Ihrem Beruf, aber Sie bräuchten mal eine Pause aus der Tretmühle. Nicht nur Ferien, sondern eine echte Auszeit. Das geht meistens aber nicht. So schafft sich Ihr Unterbewusstsein kleine Freiräume, die durch das Aufschieben entstehen.

Aufschieberitis kann Leben retten

Auch wenn es sich schmerzlich anfühlt – mit diesem Schlendrian hat Sie Ihr innerer Schweinehund vielleicht schon vor so manchem Herzinfarkt oder Hörsturz bewahrt. Wirklich gesund ist das allerdings nicht, es ist eine Notmaßnahme Ihrer Einheit von Seele und Körper. Überlassen Sie diese Aktivität aber nicht Ihrem Unterbewusstsein, sondern schaffen Sie sich Freiräume bewusst. Folgende Methoden bieten sich an.

Gegenmittel

Gegenmittel: Unperfektion

Gegenmittel: Unperfektion

Korrigieren Sie ein paar Schulaufgaben extrem schnell und schlampig. Geben Sie außergewöhnlich gnädig gute Noten, vereinfachen Sie sich Ihren Job eine Zeit lang in geradezu unverantwortlicher Weise. Priorität hat jetzt das Thema „Aufholjagd“. Die müssen Sie erst einmal gewinnen, sonst hecheln Sie noch nach Jahren Ihrem eigenen Plan hinterher.

Gegenmittel: Helfen lassen

Heuern Sie jemanden an, der eine Zeit lang Ihren Job macht. „Geht nicht“, werden Sie sagen und viele Argumente wissen (kein Geld, keine Freunde, keine Zeit …). Probieren Sie’s trotzdem! Es gibt immer einen Weg. Umfragen haben ergeben, dass sich an Aufschieberitis leidende Menschen meist scheuen, um Hilfe zu bitten.

Gegenmittel: Neuorganisation

Strukturieren Sie Ihre großen Packen Arbeit neu. Teilen Sie Ihren riesigen Haufen in 4 kleine, menschenfreundlichere auf. Schreiben Sie an jeden ein realistisches Datum, an dem Sie ihn erledigen: 13., 16., 17., 18. September. Seien Sie kreativ. Alles, womit Sie sich selbst überlisten könnten, ist erlaubt: Vielleicht sollten Sie einen anderen Arbeitsplatz in Ihrer Wohnung ausprobieren, eine neue Arbeitsmethode, oder auch nur ein neues Schreibgerät.

Gegenmittel: Aufräumen

Dieses Ich-müsste-eigentlich-Syndrom produziert fast immer Papierstapel und anderes sichtbares Chaos. Solange Ihre horizontalen Flächen überquellen von Unerledigtem, kommen Sie aus dem Hamsterrad nicht heraus. Deswegen: Ärmel aufkrempeln, alles Überflüssige großzügig entsorgen und den Rest sinnvoll unterbringen! Zum Schluss ein paar frische Blumen, Bilder, Musik … was immer Ihnen gut tut, ist jetzt gut!

Gegenmittel: Innovation

Schaffen Sie Neues. Erfinden Sie eine Art von Schulaufgabe, die weniger Arbeit macht. „Geht nicht“ gibt’s auch hier nicht! Bilden Sie Zweiergruppen, bei der einer die Arbeit des anderen liest, wie ein Redakteur. So bewerten sich die Schüler untereinander. Hören Sie sich um, suchen Sie im Internet. Sie sind nicht der erste Mensch, der dieses Problem hat. Es gibt bestimmt längst Methoden, Tricks und Kniffe anderer.

Gegenmittel: Körper

Viel Frust und Aufschieberitis kommt durch zu wenig Bewegung und Fitness. Sie würden gern mal spazieren gehen, wandern, Rad fahren, Schwimmen … aber klar, dafür ist keine Zeit, Sie müssten ja eigentlich Ihre Arbeit machen. Noch so ein Teufelskreis, der sich allerdings relativ leicht durchbrechen lässt. Wann immer Sie einen Hänger haben – gehen Sie an die frische Luft, sofort! Nach guter körperlicher Betätigung verdoppelt sich Ihre Leistungsfähigkeit. Vielleicht hat das ein bisschen geholfen.“

Autor: Werner Tiki Küstenmacher

Mit freundlicher Genehmigung des Orgenda Verlag. Quelle: simplify-Newsletter und simplify-Homepage.

simplify-Tipp Stressmanagement: 10 Wege um Aufschieberitis zu vermeiden

Autor: malerdeck am 28. Juni 2013
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Schwieriger Einstieg

1. Es beginnt im Kopf!

Der Einstieg ist am schwersten: Einsehen, dass es sich bei den chronischen Terminproblemen nicht um ein Naturgesetz handelt oder um die Schuld der Kunden – sondern um ein Verhaltensmuster, das Sie selbst ändern können.

2. Nicht schätzen, sondern messen

Lernen Sie, Ihre Zeit realistisch einzuschätzen. Messen Sie mit der Uhr, wie viele Stunden und Minuten Sie für typische Arbeiten brauchen. Und zwar ehrlich und über einen längeren Zeitraum, nicht nur unter optimalen Bedingungen. Ein Ingenieur benötigt beispielsweise im Schnitt 60 Minuten, um eine Seite Gebrauchsanweisung zu verfassen. Wenn er sehr gut drauf ist, geht es auch in 15 Minuten. Aber er sollte der Versuchung widerstehen, das Minimum als Norm anzusetzen!

3. Jeder Tag zählt

Zerlegen Sie größere Aufgaben in übersichtliche Einheiten von höchstens 1 Tag Länge. Vereinbaren Sie zum Beispiel mit Ihrem Kunden, dass er bestimmte Zwischenstadien vorab zu sehen bekommt. Damit bringen Sie sich selbst in Zugzwang und schlagen der Aufschieberitis ein Schnippchen.

4. Die unantastbare To-do-Liste

Erstellen Sie in den nächsten 2 Wochen für jeden Tag eine To-do-Liste mit klaren Prioritäten. Halten Sie sich – nur diese 2 Wochen lang – beim Erledigen strikt an die Reihenfolge. Aufschieber neigen dazu, bei solchen Listen die leichten Arbeiten zuerst zu erledigen.

5. Beißen Sie in den sauren Apfel

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Aufschieberitis

Erledigen Sie das „Hindernis des Tages“, die unangenehmste Tätigkeit zuerst. Vertilgen Sie den sauren Apfel, und er wird Ihnen nicht mehr den ganzen Tag verderben. Stürmen Sie drauf zu. Stellen Sie sich vor der Erledigung das gute Gefühl der Erleichterung vor, wenn Sie es geschafft haben. Wenn das Haupthindernis erst einmal weg ist, gelingen Ihnen die anderen Aufgaben wie von selbst!

6. Der Minuten-Trick

Schreiben Sie hinter die unangenehmsten und häufig aufgeschobenen Aufgaben die Zeitdauer, die Sie vermutlich dafür benötigen. Dabei werden Sie ab und zu schmunzeln: Mancher 10-mal verschobene „saure Apfel“ besteht nur aus einem Anruf (5 Minuten) oder einer E-Mail (3 Minuten). Da dauert das Verschieben länger als das Erledigen!

7. Offen darüber reden

Teilen Sie anderen Ihre Probleme mit. Aufschieber sind oft in einem Teufelskreis der Scham gefangen: Sie trauen sich nicht mehr zuzugeben, wie sehr sie hinter ihrem Zeitplan zurückliegen, und verbauen sich dadurch die Chance, daß ihnen jemand hilft.

8. Das Gegenteil testen

Probieren Sie es wenigstens ein einziges Mal aus: Erledigen Sie eine Aufgabe viele Tage früher, als Sie müssten. Vielleicht finden Sie Gefallen an dem neuen Gefühl, etwas weit vor dem Termin geschafft zu haben. Heben Sie die erledigte Arbeit auf, und geben Sie sie pünktlich zum vereinbarten Termin ab. Spüren Sie in sich die kraftvolle Ruhe, die von dieser Tat ausgeht!

9. Den GAU bedenken

Fragen Sie sich bei unangenehmen Aufgaben: „Was ist der Größte Anzunehmende Unfall (GAU), wenn ich es tue?“ Vielleicht ist es nur ein kurzer Vorwurf, den Sie sich anhören müssen. Selten ist dieser GAU die Sorgen wert, die Sie sich vorab darüber machen.

10. Nichts tun!

Ein verblüffender Trick: Legen Sie das verhasste Projekt mit allen erforderlichen Unterlagen vor sich hin und zwingen Sie sich, es 15 Minuten nur anzusehen. In der Regel werden Sie durch das Herumsitzen so frustriert, dass Sie die ungeliebte Arbeit anpacken, bevor die Viertelstunde um ist.

Autor: Werner Tiki Küstenmacher

Mit freundlicher Genehmigung des Orgenda Verlag. Quelle: simplify-Newsletter und simplify-Homepage.

Das “Heute-nicht-Syndrom” – und wie Sie es heute noch besiegen

Autor: malerdeck am 25. Juli 2011

Aufschieber sind nicht faul. Sie sind ununterbrochen beschäftigt, arbeiten meist sogar erstaunlich effizient und auf vielen Feldern gleichzeitig – nur nicht an der Aufgabe, die eigentlich dran wäre.

Aufschieberitis – das “Heute nicht Syndrom”

Schämen Sie sich nicht
Joseph Ferrari von der de Paul University in Chicago, einer der führenden Spezialisten in Sachen Procrastination (so der englische bzw. lateinische Name des Phänomens), fasst seine Forschungsergebnisse knapp zusammen: „Jeder schiebt auf, jeder. Es ist keine Unart, sondern eine menschliche Eigenschaft. Unterschiedlich ist nur, welche Art von Arbeiten Sie aufschieben und wie oft Sie es tun.“

Circa 15 % gelten als chronische Aufschieber, die so gut wie gar nichts sofort anpacken – viele von ihnen sogar mit einem gewissen Stolz. Sie behaupten, unter Druck besser arbeiten zu können. Subjektiv gesehen stimmt das sogar, aber nur eine Zeit lang. Auf lange Sicht führt die permanente unterschwellige Angst, es vielleicht doch nicht zu schaffen, zu einer sanften, aber hartnäckigen Depression. Deshalb lohnt es sich auch für subjektiv zufriedene Aufschieber, ihren Arbeitsstil zu ändern:

Strategie 1: 21 Tage ohne Verspätung
Auch wenn Sie zu den schlimmsten Aufschiebern oder Terminchaoten gehören: Hören Sie 3 Wochen lang damit auf – z. B. in einer Phase, in der es weniger To-dos gibt. Oder nach einem Urlaub, wenn Sie voller Energie stecken. Denn: Was ein Mensch 21 Tage lang durchhält, kann zu einer neuen Gewohnheit werden.

Strategie 2: Erledigen, aber nicht ganz
Aufschieber schieben vor allem das Anfangen auf. Überlisten Sie sich, indem Sie beschließen: Ich fange die ungeliebte Aufgabe jetzt sofort an, höre aber bald wieder damit auf. Sie werden sehen: Beim nächsten Mal fällt das Anfangen schon viel leichter. Sie trainieren damit (wie ein Sportler nach einer Verletzung) einen besonders schwierigen Teilbereich Ihres Problems.

Strategie 3: Teamdruck nutzen
Wer allein arbeitet, findet mehr Gelegenheiten zum Aufschieben als jemand, der von anderen beobachtet und begleitet wird. Umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihren Fortschritt wahrnehmen, kontrollieren und Ihre Erfolge auch loben. Geben Sie bekannt, was Sie bis wann schaffen möchten. Lassen Sie sich unterstützen, anfeuern und überlisten Sie Ihren inneren Schweinehund mit dem dadurch entstehenden sozialen Sog.

Strategie 4: Ende vorwegnehmen
Stellen Sie sich immer wieder vor, wie es sein wird, wenn Sie Ihre so oft verschobene Aufgabe endlich erledigt haben: Wie Sie sich fühlen, was andere dazu sagen, was es finanziell bringt. Damit bekämpfen Sie die Visions- und Mutlosigkeit, die der Hauptnährboden für das Heute-nicht-Syndrom ist.

Die drei großen Blockaden

Die meisten Aufschieber haben einen guten Grund, nicht anzufangen. Wenn Sie diese innere Motivation erkennen und überwinden, haben Sie schon gewonnen:

Perfektionismus. In vielen Aufschiebern sitzt ein innerer Qualitätsmanager mit übermäßig hohen Ansprüchen. Sein Konzept: Bevor etwas nur mittelprächtig gelingt, lassen wir’s lieber ganz – oder warten auf später.

Angst. Es gibt die Furcht vor Fehlern genau so wie die Angst vor Erfolg. Wenn Sie sich in einer Aufschiebe-Situation ertappen, nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit und schreiben Sie Ihre Bedenken auf. Stehen Ihre Ängste erst einmal schwarz auf weiß vor Ihnen, haben sie keine Gewalt mehr über Sie.

Unangenehme Gefühle. Schon ein kleines Unwohlsein kann dazu führen, dass Sie wie ein Pferd vor einem Hindernis scheuen. Sagen Sie dann laut zu sich: „Ich mag das nicht, ich hasse das. Aber meine Größe besteht darin, dass ich es trotzdem tue.“

Autor: Werner Tiki Küstenmacher

Mit freundlicher Genehmigung des Orgenda Verlag. Quelle: simplify-Newsletter

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