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Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten. Ein ganz wunderbarer Spruch, den ich vor ein paar Wochen in einem Blog gelesen habe. Und der lässt sich in der Praxis doch öfters anwenden. Zum Beispiel bei diesen drei Fällen einer Preisanfrage.
Fall 1
Anfrage über Twitter erhalten und zusätzlich etwas später eine konkretisierende Email. Termin vereinbart, 45 Minuten Fahrzeit (ein Weg) in Kauf genommen, beraten, Aufmaß von Fassade und Innenräumen genommen und erstes Angebot für Innenarbeiten erstellt. Danach kam eine Absage, mit dem Wunsch, auch noch das Angebot für die Fassade zu erhalten.

Anfrage über Twitter

Anfrage konkretisiert

Beeindruckt von Pünktlichkeit und Genaugkeit, aber über Preis erschrocken
Meine Antwort darauf:

Bearbeitungsgebühr wird im Auftragsfall vergütet
Erwartungsgemäß nichts mehr gehört.
Fall 2
Diese Firma hat vor einigen Monaten schon einmal ein Angebot angefordert und erhalten. Damals erhielt ich eine Email, dass die Budgetgrenze bei € 7.500,00 liegt (15% unter meinem Preis) und man bat um mein Entgegenkommen. Nun erhielt ich erneut eine Anfrage dieser Firma.

Preisanfrage für eine Bürorenovierung
Meine Antwort darauf:

Bearbeitungsgebühr wird im Auftragsfall vergütet
Erwartungsgemäß nichts mehr gehört.
Fall 3

Preisanfrage
Meine Antwort:

Bearbeitungsgebühr wird im Auftragsfall vergütet
Erwartungsgemäß nichts mehr gehört.
Mein Fazit:
Wir leben nicht nur vom Angebote machen, sondern nur von Aufträgen ausführen! Deshalb erachte ich die Schutzgebühr (Vergütung bei Auftragserteilung), als fair. Zudem trennt sich so die Spreu vom Weizen.
Das mache ich natürlich nicht standardmäßig. Das Mittel der Schutzgebühr setze ich immer dort ein, wo ich mir fast sicher bin, lediglich als Preisbarometer zu dienen und einer von zig Angefragten zu sein.
Denn, wie gesagt:

Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten
Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten!
Immer wieder erreichen uns Anfragen über das Kontaktformular unserer Homepage. Das ist gewollt und gut so. An zwei repräsentativen Beispielen möchte ich Ihnen zeigen, was daraus meistens wird.

Kontaktformular unserer Homepage
Anfrage am 23.06.2014:

Was kosten Malerarbeiten in drei Räumen?
Um einen ca.-Preis zu nennen, benötigte ich genauere Angaben. Falls ein präzises Angebot gewünscht wird, kostet das Euro 85,– und wird im Auftragsfall wieder vergütet. Zusätzlich gab ich einige preisliche Anhaltspunkte und bejahte den gewünschte Ausführungstermin. Meine Antwort erfolgte am gleichen Tag.

Die Bearbeitungsgebühr wird im Auftragsfall vergütet
Eine Antwort oder Reaktion darauf erhielt ich nicht mehr! 🙁
Anfrage vom 30.06.2014:

Was kostest es denn ungefähr 75 qm zu Malern und teilweise zu tapezieren?
Eine Frage, ähnlich wie: „Was kostet ein Auto mit vier Rädern?“ Meine Antwort, schon 30 Minuten später, vom Smartphon geschickt:

Was genau soll gemacht werden?
Antwort? Fehlanzeige! 🙁
Erstaunlich finde ich das jeweils schon.
Ergänzung am 13. August 2014:
Keiner der beiden Anfrager hat sich je gemeldet. Erstaunlich oder?
Während ich heute Morgen auf Kundenterminen war, erhielt meine Sekretärin, Frau Warlies, Besuch. Sehen Sie selbst.

Die Bearbeitungsgebühr von € 30,–, wird im Auftragsfall vergütet
Meine Antwort.

Die Bearbeitungsgebühr von € 30,–, wird im Auftragsfall vergütet
Bin gespannt, ob eine Rückmeldung erfolgt.
Ergänzung: Es erfolgte keine Rückmeldung mehr.
Heute Morgen rief ein Interessent wegen Renovierungsarbeiten in seinem Haus an. Da ich nicht im Haus war, avisierte meine Sekretärin meinen Rückruf.
An der Vorwahlnummer sah ich, dass der Interessent ca. 40 km von hier wohnt. Danach informierte ich mich noch über die Rückwärtssuche im Online-Telefonbuch, um wen es sich genau handelt. Der Herr hat eine Generalagentur einer großen Versicherungsgesellschaft.
Bei ca. 40 km An- und Abfahrt, bin ich alleine ca. 1,5 Stunden mit dem Auto unterwegs. Also rief ich eben den Herrn Generalagenten an. Hier der kurze Dialog.
- Ich: „Guten Tag, Sie baten um meinen Rückruf.“
- Generalagent: „Bei mir ist das ganze Haus innen zu streichen. Ich möchte, dass Sie bei mir vorbeikommen, mich beraten und mir ein Angebot machen.“
- Ich: „Musterstadt ist ca. 40 km entfernt von uns…“
- Generalagent, mich ungeduldig und unfreundlich unterbrechend: „Ist Ihnen das zu weit?“
- Ich: „Bei dieser Entfermung berechnen wir eine Bearbeitungsgebühr von € 60,–. Die Gebühr wird im Auftragsfall verrechnet.“
- Generalagent, kurz und barsch: „Dann bleiben Sie, wo Sie sind!“
- Ich, den Generalagenten unterbrechend, bevor er auflegen konnte: „Sehr gerne!“ und legte grußlos auf.
Der Gute machte am Telefon auf mich einen mehr als überheblichen Eindruck.
Weite Strecke fahren, dazu zeitintensiv und erstklassig beraten, das ganze Haus vermessen, ein umfangreiches Angebot erstellen und das alles zum Nulltarif?

Für diesen überheblichen Interessenten, sind Handwerker offensichtlich soooo klein mit Hut
Dazu kann ich nur sagen:
Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten!

Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten
Mittwoch vergangener Woche, erreichte mich diese Email mit der Bitte um Kontaktaufnahme. Gewünscht wird ein Angebot für die Fassade eines Reihenhauses.

Emailanfrage für Angebot über einen Fassadenanstrich
Am Donnerstagmorgen antwortetet ich, ebenfalls per Email.

Angebot gegen Bearbeitungsgebühr
Gemeldet hat sich der Anfrager nicht mehr. Warum diese Antwort, dieses Verhalten, werden Sie sich vielleicht fragen?
Dafür gibt es eine ganze Reihe von unternehmerischen Erfahrungsgründen und Einschätzungen, die ich Ihnen gerne einmal aufzählen will :
- Wird ein Mieter, im (angeblichen) Auftrag seines Vermieters tätig, hat das bei uns noch nie zu einem Auftrag geführt.
- In einem solchen Fall, werden erfahrungsgemäß viele Firmen angeschrieben.
- Es gibt keinen direkten Kontakt zum Entscheider/Eigentümer.
- Trotzdem hoher Zeit- und Beratungsaufwand.
- Der Preis ist letztlich das alleinige Entscheidungskriterium (hier meine Preisphilosophie).
- Oder zusammenfassend: Meine unternehmerische Erfahrung sagt mir, dass hier die Chancen für einen Auftrag verschwindend gering sind.
Meine Entscheidung, sich so zu verhalten, mag vielleicht in 3-5 von 100 Fällen falsch sein. Das ist aber das unternehmerische Risiko. Dafür war/ist sie in ca. 95% derartiger Fälle richtig und ich kann die eingesparte Zeit und Energie in die Betreuung und Bearbeitung vielversprechender Anfragen erfolgreich einsetzen.

Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten
Das kann mein Wettbewerb nicht. Denn mein Wettbewerb ist mit vielen derartigen Angebotsausarbeitungen beschäftigt, bei denen das Angebot letztlich nur als Preisbarometer herhalten muss.
Da bleibt logischer Weise weniger Zeit für die wirklich wichtigen Dinge in der Kundenbetreuung.
Zudem erachte ich die Angebotsgebühr, die im Auftragsfall wieder verrechnet wird, für ein faires Angebot. Denn wie gesagt:
Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten!
Der typische „Fall“:
Am vergangenen Donnerstag, 12. Juli, Emailanfrage über ein Wasserschadenangebot, mit detaillierter Beschreibung. Typischerweise war die Email vom Absender mit der „Wichtigkeit hoch“ gekennzeichnet.

Anfrage Angebot Wasserschaden

Bilder und Beschreibung der auszuführenden Arbeiten
Das war um 8:52 Uhr. Da dem Anfrager die „Wichtigkeit hoch“ war, antwortete ich bereits qualifiziert mit einem Angebot, um 9:32 Uhr per Email.

Schelle Angebotsantwort per Email
Der Gute will aber ein konkreteres Angebot und einen Vor-Ort-Termin. Schließlich handelt es sich um einen Versicherungsfall.

Wasserschadenangebot für die Versicherung
Natürlich vereinbare ich gerne einen Vor-Ort-Termin, damit der Gute ein Angebot für seine Versicherung bekommt. Aber mehrere Stunden kostenlos investieren, das mache ich nicht! Schon gar nicht bei einem Versicherungsangebot.

Zwei Termine zur Auswahl vorgeschlagen
Die Bearbeitungsgebühr für das Angebot, wird im Auftragsfall wieder vergütet. Ein fairer Vorschlag, wie ich finde. Typischerweise war danach Funkstille.
Auch nicht schlecht. Statt umsonst stundenlang mich mit diesem „Fall“ zu beschäftigen, kann ich mich um die wirklich „wichtigen“ Kunden kümmern. Dort ist meine Zeit viel besser investiert.
Übrigens, der Anfrager ist Inhaber eines marktführenden Softwareunternehmens. Auf der Internetseite steht auch etwas über deren Beratungsdienstleistungen, im Vorfeld eines Auftrages.

Beratung gegen Entgelt
Ein typisches Beispiel für die Geringschätzigkeit von Beratungsleistungen im Vorfeld eines Auftrags, im Bereich Handwerk!
Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu Arbeiten!

Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu Arbeiten
Die Vorgeschichte datiert vom Freitag, 22. Juni 2012. Für ein Angebot verlange ich Bearbeitungsgebühr. Am besten hier lesen.

Aufgebrachte Dame
Heute, um 14:00 Uhr, war ich pünktlich zum Termin bei der Dame. Nach der Begüßung fragte Sie mich sofort: „Sie wollen tatsächlich die € 20,00 für ein Angebot?“
„Ja, bitte gleich, wie vereinbart“, antwortete ich ihr. Dann wurde noch einmal diskutiert. Alle anderen, die schon ein Angebot gemacht haben, haben kein Geld verlangt, erklärte mir die Dame.
„Erklären Sie mir bitte einmal, weshalb ausgerechnet Sie € 20,00 für ein Angebot verlangen?“, fragte mich die Dame etwas aufgebracht.
Geduldig, freundlich, aber sehr bestimmt erklärte ich ihr: „Wenn ich für Leute wie Sie, den ganzen Tag unterwegs bin, um kostenlose Angebote zu machen, bin ich spätestens nach einer Woche pleite. Oder arbeiten Sie in Ihrem Beruf etwa umsonst? Um kein Geld zu verdienen, muss ich auch nichts arbeiten!“
Damit war die Diskussion schlagartig erledigt und ich erhielt die € 20,00 ausgehändigt.

Kassiert: Angebotsgebühr von € 20,00
Nun noch kurz mit dem Lasermessgerät Länge und Breite des Schlafzimmers ausmessen, das wars!
Vorhin ging das Angebot bereits mit der Post auf die Reise. Am vergangenen Freitag hatte ich der Dame einen ca.-Preis von € 1.000,00 genannt. Hier das schriftliche Angebot von heute:

Angebot gegen Gebühr
Fast genau getroffen. Jetzt bin ich nur noch auf die Auftragserteilung gespannt. 😉
Diese Dame bedankt sich auf unserem AB überschwänglich für das soooo schöne Angebot. Sie ist auch überzeugt, dass wir die Arbeiten toll ausführen. Haben aber noch andere Angebote und uns, wegen des Preisunterschiedes, keinen Auftrag erteilt.

- Ihr Angebot ist so schön und die Arbeiten sicher hervorragend…
Beim nächsten Mal will sie uns wieder zum Angebot auffordern, weil unser Angebot soooo schön ist!? Den Anruf müssen Sie sich unbedingt anhören, hier klicken.
Wir leben allerdings nicht vom Angebote Machen, sondern vom Arbeiten Ausführen. Das werde ich der Dame beim nächsten Mal sagen.
Ergänzung am 22.02.2012:
Habe der Dame heute diesen Brief geschrieben.

- „Schöne Angebote“ kosten künftig Bearbeitungsgebühr
Kein Geld verdienen, kann ich auch ohne zu arbeiten!
Heute nachmittag hier aufgeschlagen: Die Anfrage eines Viel-Angebots-Billigpreis-Abfragers. Hier können Sie einmal live miterleben, wie so etwas abläuft.
Heute ist die massenhafte Angebotsabfrage ja noch viel einfacher geworden. Angebot scannen und an X Betriebe per Email verschicken. Einfach und effektiv für den Anfrager, zeitaufwändig und teuer, für den Handwerksbetrieb. Das ist dafür ein typisches Beispiel.

Die lapidare Anfrage. Es kommt nicht einmal das Wort „Bitte“ darin vor. Im Anhang das eingescannte Angebot.



Der Kollege gibt sogar 5% Skonto, bei Zahlung in 10 Tagen. Vielleicht weiß er noch nicht, dass Handwerkerrechnungen (lt. Gesetz) SOFORT fällig sind?
Um ein Angebot abgegeben zu können, ist ein Aufwand von mindestens 5-6 Stunden notwendig:
- Termin vereinbaren
- Ans Objekt fahren
- Objektbesichtigung
- Kundengespräch
- Aufmaß nehmen
- Aufmaß rechnen
- Kalkulieren
- Angebot erstellen und schreiben
Bei geschätzten (mindestens) fünf angefragten Malerbetrieben, kommt da insgesamt eine ganz schöne Stundenzahl = Kosten, zusammen. Dieser volkswirtschaftliche Unsinn würde schlagartig aufhören, wenn für Angebote eine Bearbeitungsgebühr fällig würde.
Aber so kann man so lange eingesannte Angebote herumschicken, bis man den Allerbilligsten der Billigen endlich gefunden hat. Und damit seriösen Handwerksbetrieben automatisch jede Menge Kosten verursacht. 🙁
Wo erkennbar, beteilige ich mich nicht an diesem Spiel. Hier meine knappe Antwort:
