Farbwelten - Welche Farbe hat die Gemütlichkeit?

Farben steuern Ihr Wohlbefinden mehr, als Sie vielleicht annehmen. Hier finden Sie Hinweise zur Wirkung von Farben in Wohnräumen und eine kurze psychologische Deutung der Grundfarben.

1. Die Kraft der Farben

Farben lösen starke Empfindungen aus. Die Kraft der Farben spüren wir mit unseren Sinnen, ja mit unserem ganzen Körper.

Führt man einen Menschen mit verbundenen Augen in einen blau gestrichenen Raum, sinkt seine Körpertemperatur. In einem rot gestrichenen Raum steigt sie. Für unser geistiges und körperliches Wohlbefinden ist die Harmonie der Farben im Raum wichtig.

Dabei ist entscheidend, dass es nur drei bunte und zwei “unbunte” Grundfarben gibt: Gelb, Rot, Blau sind Farben im eigentlichen Sinne während Schwarz und Weiß in der Farbenlehre nicht als Farben gelten. Alle anderen Farben sind immer Mischungen (z. B. wird Rot und Gelb zu Orange; Gelb und Blau zu Grün; Gelb und Schwarz zu Oliv).

2. Farbenharmonie

Angenehm wirken die verschiedenen Farben in einem Raum immer dann, wenn sie eine Gemeinsamkeit haben. So wirken Farben gleicher Helligkeit durch ihren gleich hohen Anteil an Weiß und Farben gleicher Dunkelheit durch ihren Schwarzanteil immer harmonisch.

Farbharmonie entsteht, wenn wir Farben miteinander kombinieren, in denen eine Grundfarbe deutlich hervortritt: z.B. Gelbgrün mit Gelbrot oder Gelbgrau, Blaugrün mit Blaurot oder Blaugrau.

3. Vorbild Natur

Orientieren wir uns an der Natur! Sie kennt keine Disharmonien. Im Frühling ist das Farbbild hell und gelbgrundig. Der Sommer läßt Farben kräftiger werden: Blau tritt hervor. Im Herbst dominieren warme Rottöne, die im Winter von kühlen, klaren Blau-Weiß-Schwarz-Tönen abgelöst werden. Dieses Wissen sollten wir für die Farbgestaltung unserer Räume nutzen.

4. Grundregeln

Eine Farbe sollte den Ton angeben. Sie ist die Hauptfarbe für die großen Flächen des Zimmers (Wände, Decke, Boden). Die Begleitfarben der Möbel, Vorhänge, Bilder und Blumen müssen zur Hauptfarbe passen. Faustregel: Eine Grundfarbe und maximal zwei Begleitfarben, sonst werden die Räume zu unruhig.

5. Stimmung

Die optische Wirkung des Raumes wird durch Farben beeinflusst. So haben kühle Farben, in denen die Grundfarbe Blau dominiert, eine sachliche bis hygienische Atmosphäre zur Folge. Warme Farben, die durch Rot und Gelb geprägt sind, wirken freundlich und behaglich. Vor allem in ihren dunklen Schattierungen verkleinern sie Räume optisch, während kühle, helle Farben ein Zimmer größer erscheinen lassen.

Räume, die wenig Sonne bekommen, erscheinen heller und sonniger, wenn sie in hellen und freundlichen Frühlingsfarben gehalten werden. Typisch dafür sind die Farbtöne junger Pflanzen. Maigrün, Aprikot, Cremeweiß.

Ideal für große Zimmer, in denen sich Bewohner verloren vorkommen könnten, sind Farben, die auf den Betrachter zuzukommen scheinen. Dies sind die herbstlichen Braun- und Rottöne. Sie verbreiten Behaglichkeit. Gegenteilig wirken die Grundfarben Blau, Schwarz und Weiß. Sie erinnern an einen klaren Wintertag. Sie können zwar leuchten, sind aber nicht so warm wie Braun- und Rottöne. Der Raum wirkt dadurch größer und das Raumklima ist kühl und frisch.

6. Allgemeine Farbwirkung

Zu viele Blickfänge und zu viele verschiedene Farben schaffen unruhige Arbeitsplätze und führen zu unerwünschten Ablenkungen. Farbiges Gestalten heißt nicht buntes Gestalten! Eine möglichst grobe Zurückhaltung in der Anwendung von Farben, eine Beschränkung auf drei, höchstens fünf Blickfänge an einer Einrichtung ist die wichtigste arbeitsphysiologische Forderung an die Farbgebung.

Ganz allgemein läßt sich festhalten, dass alle dunklen Farben bedrückend und entmutigend wirken; außerdem erschweren sie die Sauberkeit. Alle hellen Farben wirken leicht, freundlich und aufheiternd; sie verbreiten mehr Licht, hellen die Räume auf und verpflichten zu größerer Reinlichkeit. Stellt die Tätigkeit in einem Raum hohe Anforderungen an die Konzentration, dann soll mit der Farbgebung äußerst zurückhaltend umgegangen werden, um unnötige Ablenkungen und beunruhigende Wirkungen zu vermeiden. In diesem Fall sind Wände, Decke und andere Bauelemente mit möglichst hellen, farblich kaum wahrnehmbaren Tönen zu versehen.

In allen Arten von Wohnräumen soll die Farbgebung vor allem eine beruhigende und erhellende Funktion ausüben. Man wird deshalb auch hier mit Vorteil helle Farben mit kaum wahrnehmbaren Farbtönen anwenden. Gelbe, rote oder blaue Wände wirken im ersten Augenblick sehr ansprechend; auf die Dauer bedeuten sie jedoch eine unnütze Belastung des Sehapparates.

Stärkere Farben können in den Räumen ohne Nachteil Anwendung finden, in denen vorwiegend ein “Durchgangsverkehr” besteht - wie z. B. Eingänge, Korridore, Toiletten, Nebenräume. Hier können starke Farben der Auflockerung und Aufheiterung der Architektur dienen.

7. Stärkung der Gesundheit durch die richtigen Einrichtungsfarben

Wenn Sie an Schlafstörungen leiden, sollte Ihr Schlafzimmer in Blau gehalten sein, so dass Muskeln und Herz leichter entspannen können. Wenn Sie Ihre Konzentrationsfähigkeit verbessern wollen, sollten Sie in Ihrem Arbeitszimmer oder in Ihrer Arbeitsecke Akzente mit Gelb setzen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag will man sich in seinem Wohnzimmer erholen und sich mit Freunden oder der Familie entspannen. Dieses eher verspielte, kindliche Element betont man durch Grün, z. B. in Form von Zimmerpflanzen.

Vielleicht sind Sie ja auch eher philosophisch oder künstlerisch veranlagt. Dann sollten Sie Violett für Ihre Bibliothek, Ihr Arbeitszimmer oder Atelier wählen, um eine Atmosphäre der Inspiration zu schaffen. Sportliche Zeitgenossen finden hingegen Spaß daran, sich im Keller einen Hobbyraum mit Hanteln, Ergometer und anderen Fitneßgeräten einzurichten. Achten Sie darauf, dabei viel Rot zu verwenden, denn das stimuliert die Muskeln und den Puls.

In vielen Wohnungen ist das Esszimmer ein natürlicher und wichtiger Treffpunkt. Während der Mahlzeiten sind alle Familienmitglieder versammelt, deshalb sollten die Farben hier warm und appetitanregend sein. Orange in seinen unterschiedlichen Variationen ist in diesem Fall die geeignetste Farbe, da es die archaische Erinnerung an heimelige Lagerfeuer in uns wach ruft. Wer Beschwerden mit dem Magen oder der Verdauung hat, sollte auf alle Fälle daran denken! Auch Kinder, die nicht essen wollen, können durch das vertraueneinflößende Orange gefühlsmäßig unterstützt werden. Wer unter Anorexie leidet, sollte selbstverständlich die gleichen Überlegungen anstellen.

Auch die Farbe dessen, was wir essen und trinken hat eine wichtige therapeutische Bedeutung, aber hier treten gewisse natürliche Einschränkungen auf. Mit den Farben von Lebensmitteln kann man nicht nach Belieben herum experimentieren. Man kann jedoch mit farbigem Geschirr, bunten Tischtücher, Servietten oder Kerzen eine freundliche Stimmung schaffen.

Quelle und © LBS - Das Haus

Farbwirkung Zuhause und an unterschiedlichen Raumorten